August 2010 – Die zweitgrößte Sonderwirtschaftszone Polens trägt den Namen Walbrzych (Waldenburg). Sie liegt nur 130 km von der deutschen Grenze entfernt, hat knapp 130.000 Einwohner und ist doch ein Ort, der inzwischen von allen vergessen wird. Ein Ort, an dem Menschen in unglaublich ärmlichen Verhältnissen leben. Armut, Lethargie, Alkoholmissbrauch sind an der Tagesordnung – auch für die Kinder.
Viele von ihnen sind in Kinderheimen oder Waisenhäusern untergebracht, weil ihre Familien nicht mehr in der Lage sind, sie zu ernähren. Staatliche Hilfe gibt es kaum, die dünne Arbeitslosenhilfe in Höhe von umgerechnet 75 € monatlich versiegt schnell. Quintessenz ist: Bittere Armut in den Familien.
Ohne Unterstützung von außen haben die Menschen hier keine Chance. Es fehlt an allem – Nahrung, Bekleidung, Betten, Hygieneartikel, Baumaterialien und vielem mehr. Standpunkt e.V. unterstützt in Waldenburg sowohl die Kinder- und Waisenhäuser als auch besonders schwer betroffene Familien.
Vor Ort arbeiten wir ganz eng mit engagierten Menschen und dem Sozialamt zusammen. So ist immer jemand anwesend, der die Aktionen begleitet und sicher stellt, dass die Hilfe erstens wirklich ankommt und zweitens auch den Menschen zugute kommt, die sie am dringendsten benötigen. Der enge Kontakt zu den Menschen dort ist wichtig, um schlimmstes Leid zu verhindern.
Für gezielte Anschaffungen benötigen wir dringend Ihre Unterstützung. Auch Sachspenden sind willkommen, denn in Waldenburg wird so vieles gebraucht. Fragen Sie einfach bei uns nach, gerne schicken wir Ihnen eine Liste zu.
Oder möchten Sie tatkräftig unterstützen? Die Kinderheime sind alle renovierungsbedürftig, die Gebäude und die Zimmer in sehr schlechtem Zustand. Die Überfüllung der Heime macht die Situation zusätzlich noch unerträglicher.
Hintergrundinfos:
Bis in die 90er Jahre hat Waldenburg vom Steinkohle-Bergbau gelebt. Etwa 15.000 Kohlekumpel haben in den Bergwerken gearbeitet. Jetzt liegen die Zechen still und mit einem Schlag standen die Kumpel auf der Straße. Diese zusätliche Entlassungswelle ließ die Arbeitslosenrate der Stadt auf knapp 40 % ansteigen. Menschen ohne Hoffnung und Perspektive sitzen nun auf den von Ruß bedeckten Stufen der schäbigen und unrenovierten Häuser.
Als Akt der Verzweifelung versuchen nun einige von ihnen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Rund 5.000 ehemalige Bergwerksarbeiter steigen täglich in die ungesicherten Schächte und buddeln mit bloßen Händen und unter Lebensgefahr illegal nach Steinkohle. Sommer wie Winter und Tag für Tag. Pro 50 kg bekommen sie etwa 2 € von den Händlern – damit versuchen sie ihre Familien zu ernähren.