Gabriel Păun von Agent Green

Wie schätzen sie die aktuelle Lage in Rumänien in Bezug auf den Schutz der Urwälder ein?

In Rumänien gibt es immer noch 526.000 Hektar Land mit Ur- und Primärwäldern. Allerdings sind nur 20 % davon durch den nationalen Urwaldkatalog, im UNESCO-Weltkulturerbe und Natura 2000, geschützt. Die übrigen 80 % sind die letzten ausbeutbaren Urwälder Rumäniens. Sie sind direkt den Holzfällern ausgesetzt. Wenn man bedenkt, dass unsere Wälder in den letzten 20 Jahren chaotisch abgeholzt wurden und die illegale Abholzung, die Menge der legalen übersteigt, ist das erschreckend.

Waren die Demonstrationen am 3. November ein Erfolg?

Wir glauben, dass die Demonstrationen und der „Marsch für Wälder“ in mehrfacher Hinsicht ein großer Erfolg waren. Zuallererst die Tatsache, dass wir uns mit anderen NGOs, die auch über das Schicksal der Wälder besorgt sind, zusammengetan haben und allen klar wurde, wie stark wir durch vereinte Kräfte sein können. Außerdem kamen viele Vertreter der nationalen und internationalen Presse und wir wurden zu Gesprächen mit dem Umweltminister eingeladen, der sich verpflichtet hat, eine Reihe von Anfragen zu seinem aktuellen Regierungsprogramm zu beantworten

Seit diesem Jahr unterstützt Standpunkt e.V. Ihre Arbeit. Was versprechen Sie sich von dieser Kooperation?

Die Zusammenarbeit mit Standpunkt e.V. steht in vollem Einklang mit der Mission und den Prinzipien von Agent Green. Wir haben uns vorgenommen, Kampagnen zur Verhinderung der Trophäenjagd, zum strengen Schutz der Nationalparks und zur Errichtung neuer Nationalparks durchzuführen. Unser Team wird alle möglichen Mittel einsetzen, um zerstörerische Projekte für Nationalparks zu verhindern: Aufklärung der Öffentlichkeit, rechtliche Schritte, Klagen und sogar Proteste in Bezug auf Rumäniens Produktionswälder, die für das Klima und die biologische Vielfalt sehr wertvoll sind. Diese Wälder sind größtenteils Mischwälder und regenerieren sich auf natürliche Weise. Wir beabsichtigen, ein größeres Gebiet in das neue Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung aufzunehmen. Ein Konzept das wir Forever Forest genannt haben:

Was ist ihr persönlicher Antrieb sich für den Schutz der Wälder in Rumänien einzusetzen, obwohl die Arbeit, die sie tun sehr gefährlich ist und sie auch schon massiver Gewalt ausgesetzt waren?

Ich liebe die Natur und das Leben in all seiner Vielfalt. Wenn die Natur leidet, leiden auch wir darunter. Genauso wie die anderen Lebewesen, denen gegenüber wir Menschen die Verantwortung haben. Die Natur ist das Rückgrat des Lebens. Diese Tatsache merken leider viele nicht und verletzen sie, indem sie Ressourcen entweder nicht nachhaltig oder eben übermäßig verbrauchen.

Es macht mich traurig, dass manche Leute mich nicht verstehen und mich stattdessen angreifen. Aber meine Mission ist klar und ich werde nicht aufhören. Darüber hinaus ist es mir dank des Engagements und der Beharrlichkeit der letzten 18 Jahre gelungen, eine Bewegung zu schaffen, an der Hunderttausende Rumänen und sogar Menschen aus der ganzen Welt teilnehmen.

Was sind ihre wichtigsten Projekte in Rumänien aktuell?

Der Hauptkampf besteht nun darin, den illegalen Holzeinschlag zu stoppen und das, was intakt geblieben ist, unter strengen Schutz zu stellen. Wir haben aktuell über 50 offene Verfahren gegen vorsätzliche Zerstörung von Naturschutzgebieten. Zusätzlich engagieren wir uns dafür, den strengen Schutz des Braunbären aufrechtzuerhalten, weil der Senat ein Gesetz verabschiedet hat, nach dem jedes Jahr 10 % der Bären erschossen werden dürfen. Ich habe auch ein Projekt in Covasna gestartet, wo es viele Bären gibt. Dort arbeiten wir mit der lokalen Gemeinschaft zusammen, um den Lebensraum des Bären zu schützen und das Zusammenleben und die gemeinsame Anpassung durch einfache Lösungen zu fördern.

In diesem Jahr haben wir mit der Neupflanzung auf abgeholzten Gebieten begonnen, die seit mehr als 10 Jahren nicht mehr bepflanzt wurden und wo das Land sehr kaputt war. Es ist Teil einer Kampagne, in der wir die Regierung davon überzeugen wollen, keine neuen Waldflächen des Landes zu roden, so dass die Waldfläche des Landes in den nächsten 10-20 Jahren auf 40 % anwachsen kann, verglichen mit der gegenwärtigen Waldfläche von nur 29%.

Was kann Rumänien beim Schutz Ihrer Wälder von Deutschland lernen und wie kann dabei die EU unterstützen?

Rumänien kann lernen, seine Nationalparks strenger zu schützen, da Deutschland einen konkreten Plan zur Harmonisierung der Bewirtschaftung dieser Schutzgebiete gemäß den IUCN-Grundsätzen hat. Die EU kann eingreifen, wenn Rumänien gegen die europäischen Richtlinien für Lebensräume und Arten in Natur-2000-Gebieten verstößt, die industriell genutzt werden. Ich habe eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die EU kann auch Subventionen für den strengen Schutz der letzten 526.000 Hektar mit Urwäldern bereitstellen und wichtige Umweltdienstleistungen/Beratungen bieten, die wertvoller als jeder Geldbeitrag sind. Die Wälder Rumäniens sind praktisch die Lunge Europas und die günstigste und praktischste Lösung zur Bekämpfung des globalen Klimawandels und zum Schutz der biologischen Vielfalt. Wir möchten, dass die Eigentümer dieser Wälder EU-Subventionen erhalten. Als Ausgleich, dass sie kein Holz mehr verkaufen müssen und somit ein massives Kohlenstoffreservoir für die Welt erhalten bleibt.

Was kann im Gegenzug Deutschland von Rumänien lernen in Bezug auf den Naturschutz?

Deutschland könnte von Rumänien lernen, dass es möglich ist, dass Menschen mit Bären, Wölfen, Luchsen und anderen Wildtieren koexistieren können und dass keine Jagd erforderlich ist. Diese Arten stehen an der Spitze der Nahrungskette und sie regulieren die Geweihträger/Hirsch-Population Sie stellen sozusagen die Ärzte der Wälder dar. Außerdem kann Deutschland, das derzeit einen Zusammenbruch von Fichtenmonokulturen erlebt, von Rumänien lernen, dass die einheimischen Mischwälder mit langen Produktionszyklen am besten mit dem Klimawandel umgehen können und für die biologische Vielfalt und die Produktion am besten geeignet sind. Ich habe nur einen Ort gesehen, an dem der Wald in Deutschland gut erhalten ist und zwar in Lübeck.

Wie sehen sie zukünftige Zusammenarbeit der beiden Organisationen?

Wir brauchen stabile Partner und Unterstützer, um unsere Aktivitäten fortzusetzen und zu einer noch stärkeren Stimme werden. Wir gehen davon aus, dass Standpunkt e.V. und Agent Green langfristige Partner werden und durch diese Zusammenarbeit eine Brücke zwi